Es ist doch schön, wenn eine besondere Arbeit auch noch außerschulisch gewürdigt wird. Wir von der Wieseschule danken der Familie Krampe und Christine Martin von der ABU Soest (Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz) für die tatkräftige Unterstützung, um dieses Projekt mit den Kindern durchzuführen! Das macht bestimmt Lust auf mehr. Eine Dokumentation kann man sich weiter unten ansehen.....

Zum Projekt:

Projektwoche "Wiese" in der Wieseschule! Welches Thema soll behandelt werden? Kein Problem für die Klasse 3a, denn hier sind 2 Schüler, Joscha und Jakob, Mitglieder bei der ABU (Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz). Da die beiden in ihrer Freizeit oft in der Hellinghauser Mersch unterwegs sind, bietet sich das Thema an: "Pflanzen und Tiere in den Lippeauen". Also wird geforscht, geschrieben und gemalt, was das Zeug hält: die Lippe, Flussbegradigung, Prall- und Gleithang, Strudel, Überschwemmungsgebiete, Renaturierung, Tier- und Pflanzensteckbriefe und, und, und...
Ziel und Höhepunkt dieser Woche ist eine Führung in der Hellinghauser Mersch. Christine Martin, selbst Lehrerin und Nachbarin der beiden Jungs, erklärt sich netterweise gegen eine Spende in die ABU-Kasse dazu bereit. Einige Eltern übernehmen den Transport, "Unterrichtsbeginn" ist vor Ort! Gummistiefel sind an Bord.
Es geht direkt auf den komfortablen Hochsitz, von dem man einen tollen Überblick in das Gelände hat. Einige ganz wichtige Verhaltensregeln werden besprochen. Christine ist überrascht, welches Hintergrundwissen bei den Kindern bereits vorhanden ist.
Ob Käuzchen oder Eisvogel, alles ist hier viel interessanter als im Unterricht in der Schule, auch wenn die beiden Tiere ausgestopft sind.
Der Weißstorch hat sein Nest auf einem Gestell, welches ihm die Naturschützer gebaut haben. In diesem Jahr überleben die Jungen allerdings nicht, vielleicht weil es so wenig Mäuse gibt.
Weiter geht es zu einem Teich, der im Überschwemmungsgebiet liegt und somit zur Zeit als Ruhegewässer vielen kleinen Tieren eine Möglichkeit gibt, hier zu leben und sich fortzupflanzen. Mit Kescher, Becherlupe, Einmachglas und Schale bewaffnet, staksen die jungen Forscher durch den tiefen, schwarzen Ufermorast und werden schnell fündig. Christine als gelernte Biologin bleibt ihnen keine Antwort auf die neugierigen Fragen schuldig!
Den einen stört der Dreck nicht, der bald bis zum Hintern gespritzt ist, aber es gibt auch andere, die auf Sauberkeit bedacht sind...! Nur geht das schwarze Zeug so schwer ab!
Wir finden viele Muscheln und Schnecken, sogar einen seltenen Wasserskorpion.
...und hier sind wir schon direkt am sandigen Lippeufer. Der Fluss fließt langsam und ist hier flach. Während das gegenüberliegende Ufer auch flach, aber bewachsen ist, sieht man links ein höheres Ufer, den Prallhang. Dort bröckelt ständig Erde ab, weil die Strömung dort nagt. Übrigens ein ideales Revier für Eisvögel, die sich dort im Steilufer Höhlen bauen, weil das Gebiet recht unzugänglich ist.
Hier stehen nicht sehr viele Bäume, weil zum einen die Aue oft überschwemmt ist, zum anderen die dort angesiedelten Heckrinder ganz gerne an den leckeren Trieben knabbern. Fällt einmal ein Baum um, bleibt er eben liegen und verrottet, auch zur Freude der Nilgans, die somit eine bessere Aussicht hat.
Nun gibt es einen Forscherauftrag, nämlich in Gruppen zu Zweit ganz bestimmte Dinge suchen. Sei es ein Blatt, ein Ast und etwas, was gar nicht in die Natur gehört...! Alle Kinder sind sehr konzentriert bei der Sache!
Die Gruppen haben gut gearbeitet! Alle Aufgaben sind gelöst worden! Den Vogel schießt natürlich eine alte verrostete Bierdose ab, die ja gar nicht hierher gehört!
Frühstückszeit!!! Genüsslich verschnabulieren die beiden Mädels ihr leckeres Bütterken, während einige Jungs gar keine Zeit dafür haben. Es ist halt viel aufregender. am Ufer herum zu klettern oder das seichte Flusswasser zu untersuchen, auch wenn das Wasser in den Stiefel läuft!
Ein neugieriger Gast gesellt sich zu uns: eins der Wildpferde, die hier in der Mersch angesiedelt worden sind und gar nicht mehr menschenscheu sind.
Das ist natürlich was für die Reiterinnen unter uns, aber Christine warnt davor, hinter das Pferd zu gehen, weil die Hinterhufe sehr unbequem werden können. Seelenruhig beobachtet uns das Pferdchen und frisst sogar Brot oder Äpfel aus der Hand. Es bleibt die ganze Zeit bei uns.
Plötzlich noch ein Gast, uns stockt der Atem!!!
Das ist der Bulle aus der Heckrinder-Herde!!! Er kommt mit seinen bestimmt 800kg und den Riesenhörnern auf uns zu. Und wieder hat Christine Recht: er tut keinem etwas und legt sich bequem in den warmen Ufersand. Allgemeines Aufatmen!
Viel gefährlicher ist jedoch da hinten die spanische Stierkampf-Leitkuh der großen Herde, die aus verschiedenen wilden Rinderrassen besteht, die untereinander weiter gezüchtet werden sollen.
Wir haben uns wegen der bedrohlich guckenden Leitkuh auch wie eine Herde sortiert (Kinder innen - Erwachsene außen), da sehen wir unter einem Baum im Schatten einige Wildpferde.
Sogar ein niedliches Fohlen ist dabei, was aber immer von den anderen Tieren geschützt wird. Die anmutigen Tiere fressen uns förmlich aus der Hand: Gras, Brot und Obst. Wer möchte hier schon weggehen?

Aber es hilft alles nichts, über die riesige freie Fläche gehen wir in Richtung Aussichtsturm, wo auch der Eingang zum Naturschutzgebiet ist.
Unterwegs finden wir noch einen Schädelknochen eines größeren Tieres und eine ausgefressene Eierschale.
Eben schnell noch das Wasser aus dem Stiefel kippen, bevor es nach Hause geht. Herr Krampe von der ABU schaut sich das gelassen an.
Am Ende dieses ungewöhnlichen Unterrichtsmorgens in der Hellinghauser Mersch stellt Christine Martin den Kindern noch einmal Fragen, um sich zu vergewissern, ob sie alles behalten haben. Das ist aber doch wohl sonnenklar! Vielleicht hat der eine oder andere sich anstecken lassen und macht demnächst mit bei den ABU-Grashüpfern...
Wir können nur allen weiter empfehlen, so einen tollen Gang durch die Lippeauen bei Benninghausen zu unternehmen.
Vielen, vielen Dank, Christine!

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