Mit Wortgeschossen gegen rechte Gewalt |
| Viertklässler
der Wieseschule machen sich stark für die Anzeiger-Aktion
"Gegen Fremdenfeindlichkeit". "Deutsche sind
doch in Afrika auch Ausländer" |
| SOEST
- Die knappe Bemerkung, mal in kühlem Ton, mal mit angriffslustiger
Note, trifft die Zehnjährige jedesmal bis ins Mark: "In
Kasachstan kam ich zur Welt, meine Familie zog nach Deutschland,
als ich zwei war", erzählt Regina, "geh' doch
zurück in dein Land, sagen Kinder manchmal zu mir".
Ihre Freunde in der Wieseschule bauen auf Reginas einfühlsame,
verlässliche Art, legten sich jetzt auch im Klassenzimmer
gegen rechte Gewalt ins Zeug.
"Vor drei Wochen fingen wir die Reihe 'Türen im Leben,
Türen des Lebens' an, nahmen uns die Geschichte 'Irgendwie
anders' vor, in der sich blaue Hunde, seltene Vierbeiner mit
Rüsseln und Flügeln tummeln, eben Wesen, die in keine
Schublade passen", erinnert sich Christina Goeke, die bei
den Viertklässlern in zwei Wochenstunden das Fach Religion
gibt. |
 
Machen
mobil gegen Fremdenfeindlichkeit:
Die Viertklässler der Wieseschule - Foto: Dahm |
| "Meine
Viertklässler lenkten dann von sich aus das Gespräch
auf die jüngsten Attacken gegen Ausländer. Bald kam
ihnen die Idee, sich für die Anzeiger-Aktion "Gegen
Fremdenfeindlichkeit" stark zu machen. "Überrascht
war ich, mit welchem Elan die Kinder dieses brandaktuelle Thema
anpackten", meint Christina Goeke, "das 'WARUM?' von
Neonazi-Anschlägen, auch die Haltlosigkeit 'brauner' Parolen
wird superheiß diskutiert." Wirklich
- schon klasse, wie wach die Steppkes fremdenfeindliche Anschläge
beobachten: "Versteh' ich gar nicht, warum Rechtsradikale
Jagd machen auf Ausländer", wirft Christian im Brustton
ein, "wissen die denn nicht, dass sie in Afrika auch Fremde
sind?" "Ich finde, unsere Reli-Klasse hält prima
zusammen", meint Maximilian, "wir beweisen doch, dass
auch Menschen aus verschiedenen Ländern befreundet sein
können." Recht hat er - in dem Kurs mischen sich auch
diverse Nationalitäten: Valentina hat spanische Wurzeln,
auch Anna ging vor kurzem noch in Kasachstan zur Schule. Die
Steppkes spielten manchmal nach, wie sie schon vor Tagen den
Satz "Ich bin gegen Fremdenfeindlichkeit, weil...."
kurz und knackig ergänzten: "Weil in uns allen dasselbe
Blut fließt", findet Daniel. "Weil Gott uns
alle lieb hat", meint Lennart. "Weil Ausländerhass
Menschen tötet", sagt Lena leise.
SOESTER ANZEIGER vom 11.11.2000 |
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