Der Soester Anzeiger schreibt am 20. März 2009:
ORTSGESPRÄCH Zehn Jahre Lesestadt
Willkommen im Abenteuerland
Mädchen lieben Hexe Lili, Jungen mögen Nick Nase: Wieseschüler lesen und lauschen
Ein etwas anderer Lernort - Fundgrube mit Schmökern und Sachbüchern für die Schule und daheim
SOEST • Mädchen lieben Hexe Lili, Jungs mögen Nick Nase. Himmlisch gut und teuflisch spannend soll der Stoff zum Schmökern sein, in der Lesestadt finden die Wieseschüler alles - vom Kinder-Krimi bis zum Klassiker für Kids. Das ist Kino im Kopf. Hier ist der Treffpunkt zum Lesen und zum Lauschen, urn miteinander zu sprechen und Spaß zu haben. "Es ist ein ansprechender Lernort", sagt Comelia Plaßmann, "hier läuft der Unterricht etwas anders ab."
Die Lehrerin ist in der Lesestadt zu Hause. Sie schmökert selber gern. Jeden Abend vertiefe sie sich in ein Buch, verrät sie.

Die Erstklässler haben es sich gemütlich gemacht: Sie vertiefen sich in bunte Bilder-Geschichten. Fotos: Dahm

Sie freut sich, wenn die Kinder in den Regalen stöbern, urn in der gut bestückten Fundgrube geheimnisvolle Geschichten zu entdecken oder auch zauberhafte Märchen. Seit zehn Jahren gibt es die Lesestadt in der Schule im Soester Norden: Montags bis donnerstags stehen die Türen in der zweiten und dritten Stunde offen. Hier geht's ums Lesen und Erleben.


Florian und Lorenz aus der 4a mit ihrem Leseausweis
Piraten für Jungen, Pferde für Mädchen
Die Kinder starten ins Abenteuerland. Die Jungen finden alles, was sie über Ritter, Piraten und Dinos wissen möchten. Die Mädchen blättern begeistert in den Pferdebüchern. "Lesen macht Spaß", weiß Comelia Plaßmann. Das bestätigen auch die Mütter, die ehrenamtlich dazu beitragen, dass sich der Raum mit Leben füllt. "Ihre Arbeit kann man nicht hoch genug schätzen", hebt die Lehrerin hervor. Auf die guten Geister ist Verlass, gestern schnitten sie Buchstaben aus bunter Pappe als Dekoration für das Geburtstagsfest am nächsten Freitag zurecht. Sie lesen aus Büchern vor, beraten die Kinder, betreuen sie bei kleineren Aufgaben oder Experimenten, helfen ihnen gern am Computer weiter. "Mit dem Engagement der Eltern steht und fällt die Lesestadt", betont das Kollegium, "sie bereichern das Schulleben und sind quasi unverzichtbar."
Ein gemütliches Podest lädt die Kinder ein, sich mit ihrer Lektüre zurückzuziehen, vielleicht zu träümen und für eine Weile ins Reich der Fantasie abzutauchen. In der Lesestadt ist immer etwas los: Dort lernten die Kinder schon das Handwerk der Salzsieder kennen oder die Welt des Waldes. Sie stiegen in die Steinzeit ein und entwickelten brennende Begeisterung für das Feuerprojekt.
Es ist eine Bücherei im Kleinen: Wer ein Exemplar mitnehmen möchte (und deshalb sogar Schlange steht), leiht es sich aus und wird elektronisch erfasst. Kindgemäße und interessante Bände stehen auch als Klassensätze auf den Borden. Der Erlös aus Festen oder Basaren hilft, die Bestände zu aktualisieren und aufzustocken.

Ohne die Mütter läuft nichts. Sie sind die guten Geister, gestern bereiteten sie Deko fürs Geburtstagsfest vor.
Auch den Mitgliedem des Fördervereins und Sponsoren liegt das Lesen am Herzen, ihnen ist das Team für ihre Spenden dankbar. • Kop.

Der Name
Die Lesestadt der Wieseschule geht auf eine Idee des Schweizer Pädagogen Hansheinrich
Rütimann zurück, er konzipierte als Erster einen Ort in der Schule, an dem Kulissenhäuser die Wirklichkeit nachempfinden - mit Türen zum Durchkriechen, mit Fenstern zum Öffnen und Schließen. Drinnen liegen Materialien zum Lesenlernen.

Das Fest
Die Projektwoche der Wieseschule steht vom 23. bis zum 27. März im Zeichen des runden Jahrestages. Alle Lehrer bieten unterschiedliche Themen an, und die Kinder haben bereits ihre Gruppen ausgewählt, in denen sie täglich vier Unterrichtsstunden lernen. Am nächsten Freitag steigt dann um 15 Uhr in der Turnhalle ein Lesefest, die Geburtstagsfeier im Schulgebäude schließt sich an. Das Lesestadt-Team bietet einen Basar an und bittet die Eltern, einmal nachzuschauen, ob sie noch guterhaltene Kinderbücher haben, die sie zur Verfügung stellen möchten.

Wie es begann - Start mit 550 Bänden
SOEST • Die Lesestadt gilt innerhalb des Kreises als beispielhafte und einzigartige Einrichtung. Im Oktober 1998 wurde sie durch die ehemalige Rektorin Ute Hitzke, Mitglieder des Lehrerkollegiums und einige Mütter gegründet. Die 550 Bände damals standen in bunten Regalen, vorwiegend die Kinder des dritten und vierten Schuljahres besuchten die Lesestadt. Damals gehörten vor allem Sachbücher zum Bestand, einige Monate später kam dann die Kinderroman-Abteilung dazu. Heute umfassen die Bücher unter anderem die Bereiche Geschichte, Erdkunde, Naturwissenschaften, Technik, Tiere, Pflanzen, Natur, Religion und Märchen. Beliebt sind auch die Kinder-Geschichten.

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